Trauer um die Pokements

Nicht allles, was im Radio als Comedy angepriesen wird, muss zwangsweise lustig sein.
Ein satirisches Kleinod inmitten der unzähligen Telefonscherze und Kanzler(innen)comedys waren bislang die “Pokements” von Radio Hamburg.

Zu meinem großen Bedauern lief heute die letzte Folge, also das “Allerletzte-Pokement”-Pokement.

“Pokement” ist ein Wortspiel aus dem Begriff Pokémon und Ment. Pokémons sind japanische Fantasiewesen, die seit Ende der 90er Jahre vor allem bein Kindern große Beliebtheit genießen. Jedes dieser “Pocket-Monster” zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus. Ment ist der Name des langjährigen Morningshow-Moderators von Radio Hamburg, John Ment. Die Pokements sind als Wesen mit bestimmten Eigenschaften, die den täglichen Wahnsinn des Alltags widerspiegen. Bissig, satirisch und überspitzt. Oft sogar richtig böse. Aber immer zum Schmunzeln. Zumindest für diejenigen, die nicht gerade verspottet wurde. Und in 1552 Folgen wurden viele verspottet. Oft jedoch zurecht.

In der Beschreibung der von Radio-Hamburg-Unterhaltungschef Dietmar Simon geschriebenen und gesprochenen Serie heißt es:

Jeder Mensch erlebt täglich Dinge, über die er sich wundert, schmunzelt oder lacht. Und genau diese Dinge behandeln auch die Radio Hamburg Pokements. So machen sie sich zum Beispiel Gedanken darüber, warum die Sprecher einer Doku-Soap mit ihrer Stimme immer hoch und runter gehen und Wörter betonen, die kein Mensch in dieser Form betonen würde. Wieso pilgern Ehemänner am Sonntag Morgen auf einen heruntergekommen Fußallplatz, um dem örtlichen Stadtverein bei der nächsten Niederlage zuzugucken? Wieso wird auf der ersten Seite einer Bedienungsanleitung erklärt, dass man einen Fernseher vor dem Anschalten auspacken sollte?

Sieben Jahre lang liefen die Pokements täglich um 8:10 Uhr in der Morningshow von Radio Hamburg. Ich erinnere mich an die Zeit meines Zivildienstes, in der ich behinderte Kinder im Kleinbus durch Ostholstein gefahren habe und nicht selten kurz vor der Schule noch angehalten habe oder einen kleinen Umweg gefahren bin, um das aktuelle Pokement im Radio noch mitzubekommen. Schon sehr bald gab es die Pokements im Internet jedoch zum Download, zwischenzeitlich nur gegen Bezahlung, mit dem Aufkommen der Podcast jedoch wieder frei erhältlich. Zumindest die letzten fünf Folgen.



Folge 1552 war nun die letzte. Die Zahl 1552 hat einen symbolischen Grund, weil sie überhaupt nichts bedeutet, wie es in der allerletzten Episode heißt. Wo wären wir, wird gefragt, wenn alle immer weiter gemacht hätten: Helmut Kohl, Stalin, Gerhard Schröder – hätte man das gewollt? Was die Pokements angeht: JAAAAAA!

 


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