Stillgestanden! Warum beim Film auch Standfotos wichtig sind.

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Bei Kino und Fernsehen denkt man natürlich zu allererst an bewegte Bilder. Die sind es schließlich, die Filme von Fotos unterscheiden.

Und dennoch sind es Standbilder, also Fotos, die über den Erfolg eines Films ganz erheblich mitentscheiden: Ein Filmplakat mit einem prägnanten Foto weckt das Interesse für einen Film mehr als ein Plakat, auf dem nur der Filmtitel steht. In Zeitungen und Magazinen sind es Szenenfotos, die einen ersten Eindruck von einem Film vermitteln. Und auch auf Internetseiten sind es zuerst Bilder, die ins Auge stechen, bevor man sich aktiv dazu enstcheidet, den Trailer mit bewegten Bildern anzuschauen.

Portraitfoto Marco NagelDiese Fotos stammen in der Regel nicht etwa aus dem Film, sondern werden am Set, während der Dreharbeiten, von Standfotografen wie Marco Nagel (s.r.) aufgenommen. Für ein Interview im 9×13-Markt+Technik-Fotopodcast habe ich ihn in den Bavaria-Filmstudios besucht. Dort fotografiert er bei den Dreharbeiten des Films „Wicke auf großer Fahrt“, der im Herbst 2011 in die Kinos kommt. Zuvor gab es bereits Dreharbeiten in Burgau, am Walchensee und auf Malta, wo Marco Nagel als Standfotograf ebenfalls mit von der Partie war.

Im Interview erklärte mir Marco Nagel, warum für Plakate und Presseveröffentlichungen eigentlich nicht die Bilder genommen werden, die die Filmkamera aufnimmt, die man also ohnehin hat.

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Gemessen an der Zahl der Veröffentlichungen ist der Beruf des Standfotografen in der Öffentlichkeit wenig bekannt, die Bilder finden sich aber nicht nur auf Filmplakaten und DVD-Covern, in der Presse, auf Internetseiten und in Fan-Büchern, sondern auch dort, wo man es zunächst nicht vermuten würde: Wenn es z.B. Wickie-Tassen oder Wickie-Bettwäsche gibt, dann stammen die Fotos dafür von Marco Nagel. Selbst wenn es die Filmfiguren als Plastikfigur im Überraschungs-Ei gibt, werden diese Figuren auf Basis der Standfotos modelliert.

Für den Film „Krabat“ etwa hat Marco Nagel auch die Panorama-Aufnahmen für die Website gemacht. Auch Setfotos und Backstage-Aufnahmen (s.u.) für Produktionstagebücher oder die Fachpresse sowie Aufnahmen der Schauspieler vor weißem Hintergrund zum Freistellen gehören zu seinem Repertoire.

Setfoto Wickie und die starken Männer (Bild: Marco Nagel)

Besonders wichtig ist es als Standfotograf, unauffällig zu agieren und im meist engen Drehplan möglichst keine zusätzliche Zeit zu beanspruchen. Gerade bei „Wickie auf großer Fahrt“ ist das nicht immer einfach: Der Film ist die erste große deutsche Realfilm-Produktion in 3D – das heißt, es gibt nicht nur eine Filmkamera, sondern gleich zwei. Für eine dritte Kamera eines Fotografen ist da nicht immer Platz, so dass manche Fotos im Nachhinein gemacht werden müssen.

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Collage Krabat, Hexe Lilli, Wickie (Bilder: Marco Nagel)

Bei seinen Fotos achtet Marco Nagel darauf, auch immer die Bildsprache des Films zu treffen. Bei einem düsteren Fantasy-Film wie z.B. „Krabat“ (obere Bilder in der Collage) sehen auch die Fotos anders als bei einem Kinderfilm wie „Hexe Lilli“ (l.u.). Und Wickie (r.u.) wiederum hat eine noch andere Bildsprache, die auch auf den Fotos zum Ausdruck kommt. Auf einen eigenen Stil sollte man als Standfotograf nicht zuviel Wert legen, sagt Marco Nagel, der Stil der Fotos ist durch den Stil des Films vorgegeben.

Filmplakat CrazyWenn Mitte Dezember die Dreharbeiten von „Wickie auf großer Fahrt“ beendet sind, hat Marco Nagel rund 30.000 Fotos gemacht, so viele wie auch schon bei ersten Teil „Wickie und die starken Männer„. Rund 1.000 Bilder davon werden im Nachhinein bearbeitet. Und trotz der Menge an Fotos sind es manchmal Zufallsbilder, die groß rauskommen. Sie wie beim Filmplakat von „Crazy„.

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Das komplette Interview mit Marco Nagel gibt es im 9×13-Markt+Technik-Fotopodcast zu hören (Folge 159).

© für allle Fotos: Marco Nagel. Vielen Dank auch an Constantin Film für die Vermittlung des Kontakts.

 


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