StandUp-Migranten – Comedy mit allem und scharf

Satire darf alles. Doch wenn Kabarettisten und Comedians Witze über Ausländer, Migranten oder andere Kulturen machen, dann schwingt schnell ein fader Beigeschmack des Politisch-Inkorrekten mit. Ein “Wir denken vielleicht auch so, aber das kann man doch nicht so sagen” und die ständige Entschuldigung, dass natürlich alles weder rassistisch noch ausländerfeindlich gemeint sei.

Es sei denn, diejenigen, die solche Witze machen, haben selber einen Migrationshintergrund. Wenn Comedians wie Kaya Yanar oder Bülent Ceylan sich über ihre Landsleute und deren teils merkwürdige Eigenarten lustig machen, dann grölt der Saal.

Die beiden sind zwar wohl die bekanntesten, aber bei weiten nicht die einzigen Comedy-Migranten. Welche bislang unentdeckten Nachwuchstalente es noch gibt, zeigt ab dem 9. März 2013 alle zwei Wochen die Sendung StandUpMigranten des ARD-Digitalkanals EinsPlus. Moderator der Sendung ist Abdelkarim, der 1981 als Sohn marokkanischer Eltern in der Bielefelder Bronx geboren wurde.

Abdelkarim, Björn Czieslik, Marko Schlichting
Shisha-Lounge wird zum TV-Studio

Mitte Februar fand die Aufzeichnung der ersten beiden Sendungen in einer Münchner Shisha-Lounge statt, bei der ich zusammen mit Marko Schlichting dabei war. Wer genau hinschaut, wird uns im Publikum irgendwo entdecken. Vielleicht auch schon zu Beginn der Show beim Auftritt von Abdelkarim, der über eine Treppe in die Shisha-Lounge im Keller hinunterkommt und auf seinem Weg vom Publikum am Rand beklatscht wird. Diese Szene wurde mehrfach gedreht: Einmal kam Abdelkarim selber runter und die Kamera filmte ihn aus Sicht des Publikums. Daneben wurde aus eine “Subjektive” gedreht, also der Blick aus seiner Sicht, bei der nur die Kamera die Treppe herunterkam und seinen Weg beschritt.
 
 

Was Google über Nationalitäten weiß..

In der Show präsentiert Abdelkarim zum Beispiel verrückte Gesetze und Straßenschilder aus aller Welt oder die Vorschläge der Google-Autovervollständigung bei der Suche nach bestimmten Nationalitäten (“Chinesen esssen…”, Deutsche sind…”, “Türken machen…”). Außerdem gibt es kurze Einspielfilme, in denen zum Beispiel in einem Einkaufszentrum englische Werbeslogans abgefragt werden oder die Reaktionen auf den Versuch gezeigt werden, Benzin direkt vom Erzeuger zu verkaufen – also von einem Araber.


 

Herrlich politisch inkorrekt!

In der ersten Sendung sind Faisal Kawusi, ein waschechter Frankfurter Junge mit afghanischen Wurzeln, und Gesa Dreckmann, die norddeutsche Dorfromantik mit haitianischer Kultur vereint, dabei. Außerdem Ill-Young Kim, dessen Familie aus Südkorea stammt und der sich über Verdächtigungen am Flughafen und Bestellungen beim Asiaten lustig macht, und Masud Akbarzadeh, ein in Berlin lebender Perser, der lieber sagt er sei Perser als Iraner, weil ihn sonst alle für einen Terroristen halten. Masud philosphiert auch über die Vorliebe der Deutschen für Schweinefleisch und fragt, warum es nicht auch Kaugummi mit Schweinefleisch-Geschmack gibt. Er überzeugte vor allem durch gekonnte Pausen, die mit dem richtigen Timing für komische Momente sorgen.

Bei der zweiten Aufzeichnung trat Vasilios Zavrakis auf, der als Kellner Costa über die Eigenarten deutscher Familien beim Besuch in seiner Taverna Akropolis (“Es gibt kein Cola”) berichtet. Außerdem war Marius Jung, das Ergebnis eines deutsch-afroamerikanischen “friendly fire“, dabei sowie Jilet Ayse, die als Kreuzberger Proll-Türkin mit Geschichten über ihre deutsche Nachbarin “Mehlahnieh” versuchte lustig zu sein. Mein Fall von Humor war das jetzt nicht. Letzter Gast der zweiten Sendung war Tano Bokämper, der argentinische Wurzeln mit jüdischem Humor vereint. Gemein haben alle, dass das, was sie präsentieren herlich politisch inkorrekt ist!

Comedians der zweiten StandUpMigranten-Show:
Jilet Ayse, Vasilios Zavrakis alias Costa aus Griechenland, Marius Jung, Abdelkarim und Tano Bokämper (v.l.n.r.)

Mitmachen erwünscht

Eine schöne Idee: Während der Aufzeichnung wurde ein Camcorder im Publikum herumgereicht, mit dem jeder der wollte, Aufnahmen aus seiner Perspektive machen konnte, also seine Sitznachbarn, die Bühne oder die Umgebung filmen. Ich bin gespannt, was für Aufnahmen es davon in die Sendung schaffen.

Erst online, dann im TV

Bevor die Sendung am Samstag, den 9. März 2013 um 20:15 Uhr ihre TV-Premiere bei EinsPlus hat (danach alle zwei Wochen am Samstag um 20.15 Uhr), ist sie zuerst im YouTube-Kanal von EinsPlus zu sehen. Und auch bei Facebook sind die StandUpMigranten aktiv.
 

Update 23.30 Uhr:

Die erste Folge ist nun online und bei 1:07 bin ich sogar deutlicher zu sehen, als erwartet. Bei 20.21 sogar als “Kamerakind”:

 


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