Fiktiver Präsidentenmord mit echten Bildern

Im Rahmen des Münchner Filmfestes war ich am späten Dienstagabend bei der Deutschlandpremiere des britischen Polit-Thrillers „Death of a President„. Die fiktive Dokumentation handelt von einem Anschlag auf US-Präsident George W. Bush am 19. Oktober 2007.

Bushs Rede vor Wirtschaftsvertretern in Chicago wird von heftigen, teils gewalttätigen Protesten von Bush-Gegnern begleitet. Nach der Rede, beim Händeschütteln am roten Teppich, passiert das Undenkbare: Trotz höchster Sichertheitsvorkehrungen fällt ein Schuss, der Bush trifft. Auch dramatische Notoperationen können ihm nicht helfen und Bush stirbt an den Folgen seiner Verletzungen.

Der Film beschreibt, wie anhand forensischer Ermittlungen mögliche Täter ausgemacht werden. Neben einem bekannten Bush-Gegner gerät auch ein Syrer ins Fadenkreutz der Ermittler. Die Indizien und vermeintlichen Beweise sprechen für seine Schuld. Vor allem die Teilnahme an einen Al-Kaida-Trainingscamp legen eine Verbindung zum islamischen Terrorismus nahe. Für FBI und Co. passt er perfekt ins Profil eines Terroristen. Die US-Behörden vermuten sogar eine Verbindung zum syrischen Staat, woraufhin Nachfolge-Präsident Dick Cheney miltärisch gegen Syrien vorgeht.

Doch der Film nimmt eine Wendung: Nach dem Selbstmord des Vater eines im Irak gefallenen amerikanischen Soldaten, gesteht dieser im Abschiedsbrief, dass er der Attentäter war, da er Bush den Verlust seines Sohnes nicht verzeihen konnte. Für die amerikanische Justiz ist das irrelevant, der festgenommene Syrer bleibt in Haft, da er zu gut ins Profil des Terroristen passt und ein Fehleingeständnis eine Blamage wäre.

Der Film ist also weniger eine Verherrlichung des Todes von US-Präsident Bush, sondern deckt vielmehr die Diskrepanz auf zwischen der Wahrheit und dem, was man für die Wahrheit halten möchte. Dabei ist er so gut gemacht, dass man zwischenzeitlich vergisst, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt. Das begründet sich nicht zuletzt dadurch, dass der Film wie eine richtige Dokumentation stark auf authentisches Filmmaterial setzt. Echte Bilder von Bushs Ankunft in Chicago, echte Bilder von dem Protesten und echte Bilder seiner Rede. Drehbuchautor Simon Linch berichtete, dass der Zugang zu diesen Bildern über eine normale Presseakkreditierung für einen Bericht über Bushs Besuch in Chicago möglich wurde. Neben nachgestellten Szenen, u.a. Breaking-News-Meldungen der großen TV-Networks, greift der Film auch Archivmaterial auf. Zwar habe man sich die Archivbilder nicht unter Vorgabe eines anderen Projektes beschaft, dennoch sei es oft einfacher, wenn die Archive nicht so genau nachfragten, erklärte Linch.

In den us-amerikanischen Kinos war „Death of a Preisdent“ kein großer Erfolg, nicht zuletzt aufgrund moralischer Bedenken, ob man in einem Film überhaupt den fiktiven Mord eines amtierendes Präsidenten zeigen dürfe. Daher verwundert es nicht, dass die größten Proteste von denjenigen kamen, die den Film nicht gesehen hatten.

Nachtrag: Regulär kam der Film in Deutschland nie ins Kino, lief aber mehrfach im Fernsehen.

 


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