Bedienung fast wie im Science-Fiction-Film – Meine Erfahrungen mit Kinect

Tom Cruise in Minority Report (Bild: Fox)Was Tom Cruise 2002 im Film “Minority Report” (Bild: Fox) gemacht hat, wird nun (fast) Wirklichkeit. Nur allein mit Gesten hat er sich in seiner Rolle als PreCrime-Spezialcop John Anderton Informationen aus einer Datenbank auf virtuelle, frei in der in der Luft schwebende Displays geholt. Wer den Film nicht kennt, kann in diesem YouTube-Video einen kurzen Eindruck davon bekommen.

Die virtuellen Displays sind noch Science-Fiction. Aber wir haben ja erst das Jahr 2010 – der Film spielt im Jahr 2054. Die Steuerung eines Computers mittels Gesten hingegen ist nicht nur marktreif, sondern sogar “wohnzimmertauglich”.

Kinect LogoSeit dem 10. November verkauft Microsoft für seine XBox 360 die Konsolensteuerung Kinect. Damit schließt Microsoft zum Trend der bewegungsempfindlichen Konsolenspiele auf. Der wesentliche Unterschied zu Nintondos Wii und Sonys Playststation Move ist der Controller: Auf den hat Microsoft komplett verzichtet.

Statt mit einem Controller steuert man die Spiele allein mit seinem Körper. “Full-Body-Control” heißt das dann in der Werbesprache. Dazu wird Kinect, ein schmales, etwa 20 cm langes, Kästchen unter oder über dem Fernseher gestellt und an die X-Box 360 angeschlossen. In der Kinect-Steuerung steckt eine Kamera mit Tiefensensor sowie Mikrofone zur Sprachsteuerung.

Die Technik will Microsoft aber lieber in den Hintergrund stellen – zumindest bei der Vermarktung. Mit Kinect will Microsoft insbesondere neue Kunden für die XBox gewinnen, die bislang wenig konsolen-affin waren und die Technik gescheut haben. Und das sind – ohne nun Klischees zu bedienen – vor allem Frauen. Nicht zuletzt deshalb hat Microsoft Moderatorin Sylvie van der Vaart (Bild unten) als Testimonial für Kinect verpflichtet.

Interview mit Sylvie van der Vaart (Foto: Thorsten Jochim)
Foto: Thorsten Jochim

Im Auftrag des Deutschen Hörfunkdienstes war ich einen Tag vor dem Deutschlandstart als Reporter beim Kinect-Launch-Event von Microsoft in München und habe nicht nur mit Sylvie van der Vaart, sondern auch mit Vertretern von Microsoft und Spiele-Herstellern gesprochen. Mein Beitrag kann hier angehört werden:

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Die Bedienung von Kinect ist sehr intuitiv: So wie ich mich vor dem Bildschirm bewege, so bewegen sich auch die Charaktere auf dem Bildschirm. Das heißt aber auch: Ohne Bewegung von mir, bewegt sich auch auf dem Bildschirm nichts. Schummeln, indem man nur den Controller mit der Hand bewegt und dabei auf der Couch sitzt, geht nicht. Anfangs muss man ein wenig experimentieren und sich daran gewöhnen, wie Kinect auf die eigenen Bewegungen reagiert. Anders als in der Realität spürt man ja keinen Widerstand, wenn man z.B. gegen einen Ball schlägt, dennoch bewegt er sich auf dem Bildschirm.

Exkurs: Was andere schon mit Gestensteuerung gemacht haben:

Es nicht das erste Mal, das ich über technische Innovationen berichte, bei denen es um die Steuerung von elektronischen Geräten mit Gesten geht. Für Wilantis FM – Das Wissensradio habe ich 2007 einmal einen Beitrag über die Technologie GestIC der Firma Ident Technology aus der Nähe von München gemacht.

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Und zur IFA 2008 hat Toshiba ein Notebook vorgestellt, bei dem sich einige Grundfunktionen durch Gesten steuern ließen.

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Insgesamt lief die Übertragung meiner Bewegungen auf die Figuren auf dem Bildschirm überraschend flüssig und gut. Beim Fitness-Spiel Your Shape von Ubisoft etwa wird der eigene Körper gescannt und die Figur auf dem Bildschirm wird ans eigene Aussehen angepasst, was das Training noch ein Stück weit realistischer werden lässt. Das geht soweit, dass das Spiel z.B. bei Zen-Übungen eine Rückmeldung gibt, ob die Körperhaltung richtig ist oder nicht.

Kinect YourShape (Foto: Thorsten Jochim)
Foto: Thorsten Jochim

Neben “Your Shape” habe ich auch Dr. Kawashimas Körper- und Gehirnübungen ausprobiert, wo man z.B. durch die Bewegung der Arme Brücken für Autos baut oder Rechenaufgaben lösen muss.

Kinect im Selbsttest (Foto: Thorsten Jochim)
Foto: Thorsten Jochim

Mit Kinect wird das Spiel “Kinect Adventures” mitgeliefert, bei dem man sich viel bewegen, ducken, springen und ausweichen muss. Ich habe das Spiel ausprobiert (s.o.) und dabei ein kleines Video machen lassen (s.u.).

Ein Spiel, das Kinect auf ganz andere Weise nutzt, ist Yoostar 2: Dabei handelt es sich um Film-Kararoke. Statt zu singen spricht man Dialoge aus bekannten Hollywood-Filmen neu ein, wird wie im Bluescreen- bzw. Greenscreen-Verfahren aus dem Hintergrund herausgestanzt und erscheint im Original-Film. Die fertigen Videos lassen sich in sozialen Netzwerken wie Facebook mit Freunden teilen und bewerten. Da man auch Szenen mit mehreren Rollen spielen kann, eignet sich Yoostar auch gut als Partyspiel. Bislang gibt es nur eine englische Version von Yoostar 2, in der rund 60 Szenen aus US-Filmen zu sehen sind und nachgespielt werden können. Im Frühjahr 2011 erscheint das Spiel auch auf Deutsch, auch Szenen aus deutschen Filmen sollen später folgen. Das folgende Video zeigt ein paar Eindrücke von Yoostar 2.

Fazit: Bislang war ich überhaupt kein Konsolen-Spieler. Kinect könnte das ändern. Vor allem als Partyspiel, in der Gruppe sorgen die Spiele für viel Stimmung und Spaß. Fraglich ist, ob Kinect auch alleine dauerhaft Spaß macht oder ob die Spiele nicht nach ein paar Wochen langweilig werden. Ein Ersatz fürs Fitness-Studio wäre Kinect für mich aber nicht, zumal man für Kinect relativ viel Platz zum Bewegen braucht – in meiner Wohnung würde ich da schnell an Grenzen stoßen.

 


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